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Warum die Finanztransaktionssteuer unsinnig und gefährlich ist sowie die "Falschen" trifft:

Der Plan zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer hält sich seit der Finanzkrise aus den Jahren 2008/2009. Heute wird sie eher als politisches Instrument missbraucht und es verbleiben 10 Staaten in der EU, die sie unter Umständen noch einführen wollen. Dabei stehen die Politiker anscheinend unter Druck, da ein Teil der Bevölkerung aufgrund von Fehlinformationen und z.T. massivem Popilismus sich anmaßt, diese inzwischen als "vernünftigste aller Steuern", als "Steuer gegen Armut" bis hin zu "Steuer gegen den Rechtsradikalismus" zu instrumentalisieren.

 

Nachstehend folgen nun nur einige Argumente, die mithelfen sollen, aufzuzeigen, wie unsinnig eine solche Steuer ist, warum diese sehr gefährlich werden kann und vor allem auch wen die Steuer wirklich belastet:

 

- Großbanken, Fonds und andere Institutionen verschieben ihren Sitz ins Ausland und schädigen damit den Standort Deutschland (darunter resultieren auch weniger Steuereinnahmen)
- viele Trader werden nicht mehr handeln oder ins Ausland ausweichen, deshalb sind auch die zu erwartenden Einnahmen aus einer FTS in vielen Publikationen als viel zu hoch und als unrealistisch einzustufen.
- letzten Endes werden die Kosten von den hier ansässigen Banken auf die Kunden übertragen und dies natürlich nicht nur auf Aktienbesitzer.
- Pensionsfonds sind betroffen
- die Finanzkrise wurde durch komplexe Derivate auf faule Hypothekenkredite verursacht, welche viele Finanzinstitutionen untereinander verkauft haben und durch die bald niemand mehr durchblicken konnte. Um kurzfristige Transaktionen in Aktienindizes handelte es sich dabei aber keineswegs.

- die Euro-Krise wurde durch Spekulationen gegen Staaten befeuert, Kurse für CDS wurden in die Höhe getrieben, was die Lage ohnehin schon hochverschuldeter Staaten verschlimmerte. Aber auch diesen Spekulationen lagen keine sehr kurzfristigen Geschäfte zugrunde, es waren klassische Positions-Trades.
- durch die Finanztransaktionssteuer werden Privatanleger bestraft.

- die FTS vernichtet Arbeitsplätze

- Altersvorsorgeprodukte werden teurer (die Steuer ist wesentlich höher als alle staatlichen Zulagen und je mehr umgeschichtet werden muss, um so mehr nagt die FTS an der Rendite, Schutzmechanismen werden durch die FTS ja zu dem verhindert...)

- 0,01% auf Derivate sind nicht wenig! (im Internet kursieren so viele Gerüchte, dass bei den Planungen "Zocker" - Menschen, die Derivate handeln, müssen nicht zwangsläufig Zocker sein, ist eigentlich sonnenklar, aber dies ist ein anderes Thema - bevorzugt werden, während "brave Aktienanleger" 0,1% berappen müssen - was natürlich für die Forderer auch viel zu wenig ist, eigentlich sollten private Aktienbesitzer gleich das ganze Geld abdrücken...-) Für einen normalen Absicherungs-Put für 5000€ können durch die Berechnung in Höhe des Nominalbetrags Steuern von 200€ (wären dann effektiv 4%!) und mehr entstehen und dies sowohl beim Kauf, als auch beim Verkauf (zusätzlich kommen wie bisher natürlich die Gebühren für den Broker hinzu), unabhängig vom Gewinn oder Verlust dieser Position. Derivate sind auch kein "Teufelszeug", sondern zum großen Teil zweckmäßige Instrumente für verschiedene Interessen (z.B. Absicherung, aber auch Stillhalter muss es geben da diese erst die Absicherung für andere ermöglichen).
Wer als Selbständiger sein Leben lang hart gearbeitet hat und statt mangels Rente Aktien als Alterssicherung hält, muss ab und an umschichten und sich in bestimmten Situationen vor massiven Kursverlusten schützen und da die Mehrheit nun halt nicht Multimillionäre sind, machen die Summierung der Beträge auch einen erheblichen Anteil in Prozent aus. Und npchmal zur Erinnerung: Dieser Rentner muss bestraft werden, weil er durch sein Halten von Aktien ja angeblich die Finanzkrise ausgelöst hat...

- die Eurex muss von Frankfurt nach London ziehen mit dem entsprechenden Verlusten von Arbeitsplätzen
- Discount-Broker, die dank des Internets Privatpersonen den Aktienkauf zu erschwinglichen Preisen ermöglichen müssen schließen, da weniger bis kaum noch Transaktionen getätigt werden. Auch Angestellte von Discount-Brokern haben Familie und Kinder.

- der Zertifikatemarkt mit zum Teil auch sehr vernünftigen und kostengünstigen Produkten) in Deutschland wird massiv einbrechen und zu Pleiten sowie Verlust von Arbeitsplätzen führen.
- durch den Dominoeffekt wird die Realwirtschaft einen erheblichen dauerhaften Schaden davontragen

- über Bankenpleiten (selbst kritisiere ich auch bestimmte Handhabungen und Aktionen von vielen Banken) mögen sich vielleicht einige freuen, aber spätestens, wenn aus dem Geldautomat nichts mehr raus kommt oder Leistungen massiv gekürzt werden, gibt es ein böses Erwachen.

- die Ausdünnung der Liquidität macht es finanzkräftigen Manipulatoren mögich, schon mit verhältnismäßig wenig Geld extreme Kursschwankungen auszulösen, deshalb besteht eine große Gefahr von Verwerfungen. Denn wer hält dann hier massiv dagegen, wenn er/sie für jede Transaktion auch noch Steuern bezahlen muss, egal ob diese hinterher gewinnt oder verliert?
- Gerade während der Finanzkrise haben private Trader eher antizyklisch massiv Call-Optionen gekauft und so dem Absturz wenigstens etwas entgegengewirkt. Das Argument der FTS-Befürworter -die sich ansonsten kaum mit dem Thema beschäftigen-, hohe Liquidität würde Kursabstürze eher ermöglichen, ist aus Erfahrung und mathematisch schlichtweg falsch.
Im Übrigen werden Einnahmen aus der FTS prognostiziert, die die Gewinne aller deutscher Banken in einem Jahr übersteigt. Wo sollen die Einnahmen denn real herkommen? Von den Privatanlegern?
- die Finanzplätze in den teilnehmenden Ländern werden erhebliche dauerhäfte Schäden davontragen.
- die Aktienkultur in Deutschland wird noch weiter geschwächt. Zum Vergleich: In den USA liegt die Aktionärsquote bei 56% und dies wird auch noch staatlich gefördert. In Deutschland soll man sich angeblich schämen und auch noch betraft werden, wenn man mit seinem z.T. hart verdienten Geld Anteile an einem Unternehmen erwirbt, stattdessen soll diese Geld in unsinnige und nicht rentable Produkte "angelegt" werden.
- interessanterweise sollen in den Plänen Staatsanleihen von der Steuer befreit sein. Sollen die Privatanleger nun Anleihen mit Negativzinsen erwerben oder der EZB Papiere mit praktisch Nullzins aus den Südländern aufkaufen, die ein hohes Ausfallrisiko innehaben?
- es gibt Webseiten wie "Steuer-gegen-Armut". Mal im Ernst: Schauen Sie sich, lieber Leser, das Steueraufkommen in Deutschland an, es gibt also nicht genug Geld dabei, um Armut zu bekämpfen? Wie wäre es auch mit weniger Korruption, weniger Steuerverschwendung, weniger Ausweichmöglichkeiten von Unternehmen über verlustbringende Tochtergesellschaften in Steueroasen etc. etc..

Ein in Brüssel agierender Grünen-Politiker (nicht falsch verstehen, nichts gegen die Grünen im Allgemeinen...), der ein großer Verfechter der Finanztransaktionssteuer ist und dies ja nun schon fast zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Privatanlegern und Sparern über deren Belastungen hinaus noch zusätzlich das Geld aus der Tasche zu ziehen, der überdies von üppigen Steuerbezügen lebt - und augenscheinlich gerne die GEZ-Gebühren in unzähligen Talkshows in Anspruch nimmt -, muss nicht jahrelang warten, bis eine FTS kommt, um Armut zu bekämpfen, das konnte er auch schon vorher und jetzt! tun (vielleicht tut er es ja, wäre zu hoffen)...

Fakt ist zumindest, dass auch gewisse Entscheidungsträger -sei es in Deutschland oder anderswo- sich meist auf üppigen Bezügen ausruhen können und ein abgesichertes Leben haben. Da fällt es einem doch nicht sehr schwer, soziale Forderungen aufzustellen und etwas für den moralischen Lebenslauf zu tun

Zu guter Letzt gibt es unzählige Möglichkeiten, die Finanzindustrie über das, was sie bereits leistet hinaus zusätzlich an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen:
a) Wenn es über Finanztransaktionen gehen soll, warum dann nicht einfach 1-2 Euro pro Trade (vielleicht direkt als Abgabe für einen guten Zweck), da kommt auch ordentlich was zusammen und es führt vielleicht nicht zu massenhaft Abwanderungen und ein privater der 20 mal im Jahr eine Transaktion macht, zahlt dann 20-40 Euro und nicht 200-400 Euro oder wenn er Absischerungen dazu nimmt über 1000 Euro.
b) das Hochfrequenztrading im Sekundenbereich kann separat besteuert werden - wenn es denn als "schädlich" angesehen wird, dann müssen es aber nicht die anderen bezahlen...
c) höhere Abgaben auf Gewinne bei Finanzinstitutionen.
d) weitere freiwillige Spenden von - den wenig - gut verdienenden Tradern (ja, da gibt es nicht nur böse Menschen, man sollte mal versuchen, diese wirklich kennenzulernen, fernab von den Stammtischparolen)
e) 10% Gehaltsabzug, die in der Subprime-Krise aus Gier den Weiterverkauf der faulen Hypothekenkredite massiv gefördert haben (zum großen Teil selbst kreditfinanziert...)
f) eine höhere Abgeltungssteuer (vielleicht aber auch dan verbunden mit Steuerfreiheit nach einer gewissen Haltezeit)
etc. etc.

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